Industriewald und Kunst im Ruhrgebiet

Industriewald – ein Projekt mitten im Ruhrgebiet

Bei unserer SingleWanderung bergbäuerin am 18. März und im Sommer am 15. Juli führt der Weg durch einen besonderen Wald. Er hat sich sukzessive auf dem ehemaligen Zechengelände Rheinelbe in Gelsenkirchen entwickelt. “Sukzessive” heißt, er durfte auf den brach gefallenen Flächen wachsen wie er wollte, wir Menschen haben uns einfach mal rausgehalten. Das kommt im dicht besiedelten Ruhrgebiet selten vor, auch selten in ganz Deutschland. Der Vorteil ist, dass wirklich die Pflanzen wachsen, die sich dort auf dem Standort wohl fühlen. Zuerst kommen die Pioniere angeflogen, deren Samen vom Wind verbreitet werden, zum Beispiel Birke und Robinie. Im Laufe der Jahre entstehen so verschieden Entwicklungsstadien bis zu einer geschlossenen Waldfläche.

Dieser Wald nennt sich Industriewald und ist ein Projekt der Internationalen Bauausstellung Emscher-Park, die von 1989 bis 1999 für die Erneuerung von Altindustrieflächen im nördlichen Ruhrgebiet durchgeführt wurde. Ziel dieses Projektes war es für die Bevölkerung neue Erholungsflächen  zu schaffen aber auch neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Zur Unterstützung des Industriewaldprojektes wurde eigens dafür ein Verein ins Leben gerufen.  Er nennt sich “Verein Industriewald Ruhrgebiet e.V.”, ist gemeinnützig und arbeitet eng mit dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW zusammen. Eine der zahlreichen Aufgaben des Vereins ist es die öffentliche Diskussion um den Wert von Industriewald als Kulturlandschaftselement der Region im Strukturwandel zu fördern. Das Projekt umfasst heute 13 Einzelflächen mit mehr als 200 ha Waldfläche.

 

Die Forststation inmitten des Industriewaldes

Auf dem ehemaligen Zechengelände Rheinelbe gibt es eine Forststation, mitten im Industriewald. Sie ist im alten Umspannwerk der Zeche untergebracht. Das Forstamt bietet in dem angrenzenden Industriewald gestaltete Erlebniswanderungen für Kinder- und Erwachsenengruppen an. Schwerpunkt der waldbezogenen Umweltbildung ist der ungezwungene, erlebnisorientierte Aufenthalt in der Natur. Wir Wandersleut wissen nur zu gut, dass der Aufenthalt in der Natur Entspannung und Erholung bietet. Für die Kinder kann die Förderung der Bewegung, Sprache und Kreativität gefördert werden sowie die Entwicklung sozialer Kompetenz. Das Umweltbildungsprogramm hat sich etabliert und ist für die  vielen teilnehmenden Kinder ein Höhepunkt ihres Schuljahres.

Skulpturenwald Rheinelbe Gelsenkirchen, Route Industriekultur

Skulpturenpark Rheinelbe

Im Industriewald Rheinelbe gibt es auch Kunst zu entdecken. Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher-Park wurden Flächen, die bis dahin nur von Werksangehörigen zugänglich waren, der die Bevölkerung geöffnet. Wesentlicher Aspekt dabei war die Natürlichkeit der Industriebrachen mit ihrer spontanen und ungestörten Vegetationsentwicklung lediglich zu unterstützen und nicht zu überplanen.

Die Wildnis auf dem stillgelegten Zechengelände hat den Künstler Herman Prigann zu einer besonderen Gestaltung inspiriert. Fundstücke aus Bergbauanlagen, wie Fundamentblöcke, Grubenhölzer oder Rohrabschnitt wurden von ihm mit natürlichen Materialien kombiniert und zu Torsituationen, Wegen und Plätzen inszeniert. Der Künstler wollte einen Dialog herstellen zwischen der sich beständig weiter entwickelnden Natur und der Bergbaugeschichte.

Die größte Installation ist die gestaltete Halde Rheinelbe. Die nach Entwürfen des Künstlers als schwarzer Kegel geschüttete Halde wird durch spiralartige Wege erschlossen. Auf dem Gipfel ragen aufgetürmte ehemalige Fundamentbrocken aus Bergbauanlagen in den Himmel. Der Künstler hat dieser Landmarke den Namen “Himmelstreppe” gegeben. Von oben bietet sich nebenbei ein beeindruckender Rundumblick übers Ruhrgebiet.

 

Herman Prigann – Art-in-Natur

Herman Prigann wurde 1942 in Recklinghausen geboren. Er war der Kunstrichtung Art-in-Natur verpflichtet. Dabei ist die Natur weder Vorbild oder Grundlage für eine Abbildung sondern gleichberechtigter Partner des Künstlers. Durch die Arbeiten der Art-in-Natur-Künstler soll das Bewusstsein des Menschen zu seiner Umwelt und zu seinem Naturverständnis verändert und neue Wahrnehmungen provoziert werden.

Wir können auf den Skulpturenwald und vielleicht eine neue Sichtweise auf Natur gespannt sein!