Treppensteigen im Ruhrgebiet

600 Stufen hat eine Teilnehmerin geschätzt, sind wir bei der Singlewanderung “haldenglück” auf- und wieder abgestiegen. Bis ganz nach oben auf die oberste Plattform des Tetraeders waren es noch einige mehr.

Bei herrlichem Wanderwetter ging’s mit den guten City-Rädern von Revierrad am Bahnhof in Bottrop los. Kaum auf dem Fahrrad sind wir schon eingestimmt auf unsere Tour durchs Ruhrgebiet. Denn gleich zu Beginn der Route verläuft der Radweg parallel zur Emscher, die tief unten im Einschnitt liegt und üble Gerüche zu uns hoch schickt.  Auf der anderen Seite verläuft parallel zum Radweg die Autobahn A42, das bedeutet Verkehrslärm pur für uns Radfahrer.

Aber schon kurze Zeit später fahren wir durch Wald und gelangen dann zum Rhein-Herne-Kanal. Hier lässt es sich wunderbar radeln, sattes Grün auf beiden Seiten und in der Ferne schon die erste Halde in Sicht, die wir besteigen wollen. Wir nehmen den direkten Weg nach oben über die Treppenanlage, alle gespannt was uns oben wohl erwarten wird.

 

Mondlandschaft im Ruhrgebiet

Die Schurenbachhalde ist mit ca. 1 Kilometer Länge und 1/2 km Breite eine der Größten im Ruhrgebiet. Ihren Namen hat sie von dem verschütteten Schurenbach, denn früher war man nicht zimperlich, der Abraum musste untergebracht werden und so wurden Bachläufe, Sportanlagen oder Siedlungsteile einfach zugeschüttet. Oben empfängt einem eine unerwartet weite unbewachsene leicht gewölbte Fläche, die an eine Mondlandschaft erinnert. Am höchsten Punkt steht nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet die Landmarke “Bramme für das Ruhrgebiet” des US-Amerikaner Richard Serra, der für seinen Umgang mit Stahlplastiken bekannt ist. Das 67 Tonnen schwere Stück Stahl markiert unübersehbar die höchste Stelle der Halde. Knapp 15 m ragt die Bramme aus der Mondlandschaft auf. Von dort reicht der Rundumblick über das gesamte Ruhrgebiet.

Wir radeln weiter zum Nordsternpark. Die Zeche Nordstern wurde im Jahr 1993 geschlossen und ein Gewerbe- und Landschaftspark eingerichtet. Die weithin sichtbare Doppelbogen-Hängebrücke über den Rhein-Herne-Kanal wurde 1996 eingeweiht. 1997 fand auf diesem Gelände die Bundesgartenschau statt, damals die erste auf einer ehemaligen Industriebrachfläche.

 

Wir warten auf den Fluss

Wenige Minuten später gelangen wir zu der Skulptur “Warten auf den Fluss”, die im Rahmen der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017 an den ursprünglichen Standort auf der Emscherinsel zurückgekehrt ist. Genau an der Stelle der Skulptur „Warten auf den Fluss“ wird nach Abschluss der Emscherumbauarbeiten die neue Emscher fließen. Noch ist kein Wasser zu sehen, also heißt es warten…  Wir können dort über die Emscher sinnieren, uns und unseren Beinen eine Verschnaufpause vom ersten Streckenabschnitt und Haldenaufstieg gönnen.

 

Schwindelfrei hinauf in den Tetraeder

Dann geht’s weiter entlang dem Kanal und durch die Gartenstadt Welheim bis zur nächsten Halde. Beim Blick auf die lange Treppenanlage hoch auf die Halde entscheidet sich, wer diesen Aufstieg auf sich nehmen möchte. Es lohnt sich in jedem Fall. Denn oben stehen wir vor der beeindruckenden Konstruktion des Tetraeders. Der Architekt dieser Landmarke ist Wolfgang Christ. Er hat die Halde mit der dreiseitigen Pyramide in seiner Form vollendet. Das Stahlgerüst wurde 1994 errichtet und hat sich zu einer der bekanntesten Landmarken im Ruhrgebiet entwickelt. Die ca. 210  Tonnen schwere Konstruktion steht auf 8 m hohen Betonsäulen und wirkt dadurch fast schwebend. Die Schwindelfreien unter uns sind bis zur obersten Plattform in ca. 38 m Höhe hinaufgestiegen. Der Ausblick ist grandios.