Wacholder knistert und duftet

Mit Wacholder verbinden wir Wacholderbeeren im Sauerkraut oder Wacholderschnaps. Manch einer kennt auch Wurst-, Fleisch- oder Fischwaren, die im Rauch des kampferartigen Geruchs von Wacholderholz ein besonderes Aroma erhalten.

Auf unserer Wanderung “heidelerche” im September konnten wir stattliche Exemplare in der Westruper Heide aus der Nähe bestaunen. Wacholder kann 500 bis 2000 Jahre alt werden. Zum Vergleich, Eichen werden 700 – 800 Jahre, Buchen bis zu 320 Jahre alt. Wacholder wächst sehr langsam und ist dabei sehr anspruchslos. Ob trocken oder feucht, lehmig oder sandig, er wächst fast überall. Das hohe Alter und die stattliche Größe erreicht er allerdings nur in vollsonniger Lage.

Sticht, knistert und duftet

Wacholder, botanisch Juniperus communis, besitzt nadelförmige stechende Blätter. Die Schafherde in der Westruper Heide, meidet die stechenden Wacholderbüsche. Sie fressen lieber den zarteren Baumjungwuchs und verhindern dadurch eine Wiederbewaldung. Der Wacholder kann so ungestört wachsen und gedeihen.

Wacholderholz wird für Schnitz- und Drechslerarbeiten genutzt. Seine Zweige und Zapfen werden zur Verräucherung verwendet. Sie duften sehr aromatisch und haben eine belebende Wirkung. In manchen Gegenden wird er deshalb auch Räucherstrauch genannt. In Pommern soll er als “Knistebusch” bezeichnet werden nach dem Knistern der verbrennenden Zweige.

Wacholderbeeren sind gar keine Beeren

Wacholderstrach, Beerenzapfen, Westruper Heide, SingleWandern MünsterObwohl der Wacholder zu den Nadelgehölzen zählt, bildet er keine verholzten Zapfen aus, wie wir sie von Fichten oder Kiefern kennen. Trotzdem werden sie Zapfen genannt, sogenannte Beerenzapfen. Nach der Blüte wachsen die drei Fruchtblätter zusammen und bilden eine Hülle um die Samen. Zu Beginn im grünen Stadium sind die einzelnen Schuppen noch zu erkennen. Die Beerenzapfen sind dann noch hart und unangenehm im Geschmack. Die Samen reifen erst im Herbst des zweiten Jahres oder sogar erst im dritten Jahr, dann bekommen die Beerenzapfen die typische schwarzblaue Färbung.

Vom Wacholder gibt es übrigens nur männliche oder nur weibliche Pflanzen, botanisch wird diese Pflanzen „zweihäusig“ genannt.

Wacholder in der Küche

Schon im Mittelalter hatten „Wacholderbeeren“ große Bedeutung in der Heilkunde. Innerlich angewendet wirken sie magenstärkend und blutreinigend, äußerlich fördern sie die Durchblutung. Auch harntreibende Wirkung wird den Beerenzapfen zugeschrieben.

Die Wacholderkur nach Kneipp soll bei Verdauungsstörungen helfen und bei Rheuma und Gicht zur Blut- und Magenreinigung dienen. Hierbei werden mehrere Wochen lang die „Wacholderbeeren“ pur zerkaut. Diese Anwendung besprechen Sie besser mit Ihrem Heilpraktiker.

Für den Anfang reicht es aus, das Gewürz in die Speiseplanung mit auf zu nehmen. Die Beerenzapfen, am besten aus dem Bioladen, verfeinern viele Speisen und harmonieren prima mit Lorbeer und Kümmel.

Rezept Sauerkrauteintopf

Zutaten für 4 Personen:

  • 150 g Zwiebeln, gehackt
  • 1 EL Butter
  • 1 TL Paprikapulver
  • 1 l Gemüsebrühe
  • 300 g Sauerkraut, milchsauer
  • ½ TL gemahlener Kümmel
  • 2 Lorbeerblätter
  • 8 Wacholderbeeren
  • 250 g Kartoffeln, gekocht
  • 1 Bund Schnittlauch
  • 1 rote Paprika
  • 150 ml Schmand
  • 2 EL Apfeldicksaft

Zubereitung:

  1. Zwiebeln in der Butter dünsten. Paprikapulver und Gemüsebrühe zugeben. Aufkochen.

2. 200 g Sauerkraut ausdrücken, klein schneiden und zur Brühe geben. Kümmel, Lorbeerblätter und Wacholderbeeren zufügen. Bei mittlerer Hitze etwa 20 Minuten kochen.

3. Restliches Sauerkraut und gewürfelte Kartoffeln 5 Minuten mit erhitzen.

Suppe mit Schnittlauch und Paprikastreifen anrichten, mit Schmand und Apfeldicksaft servieren.

Guten Appetit!